Mittwoch, 29. März 2017

Ein Interview, Outtakes und keine gute Überschrift

Pünktlich zum Quartalsende habe ich gerade eine kleine Schreibblockade. Ich habe meinen Text jetzt schon 3 mal begonnen. Jedes mal anders, jedes mal bei den ersten Sätzen fest davon überzeugt : „das ist es!“ und dann ging mir die Luft aus.
Was macht man gegen so etwas? In einem Kurs "Kreatives Schreiben" lernte ich einst, dass man sich erstmal freischreiben muss. Also schreibe ich mich jetzt erstmal frei. Denn tatsächlich schwirren mir gerade so viele Dinge im Kopf herum, dass sie noch nicht so ganz zu greifen sind.

Ich möchte eigentlich einen ersten kurzen Rückblick auf das laufende Jahr machen. Ursprünglich wollte ich mein neues Kleid vorstellen, aber dann erhielt ich heute eine Nachricht, weshalb ich meine Pläne über Bord warf, weil ein Blogpost über mein wirklich schönes Kleid dem anderen Thema nicht gerecht werden würde.
Während ich heute die ersten Fugen kratzte, war ich gedanklich schon längst beim Blog. Das Ergebnis ist, dass ein Teil der Fugen draußen wirklich toll sauber sind, mein Kopf noch immer leicht konfus. Aber das ist nun einmal so und wenn dieser Beitrag konfus erscheint - das kommt Euch nur so vor. In meinem Kopf ist es häufiger so. Also müsst Ihr da jetzt durch und wehe, jemand hört auf an dieser Stelle zu lesen. 

Ende Januar hatte ich gerade eine meiner Jeans-Wendetaschen online gestellt und kurz darauf einen weiteren Beitrag (der mir gerade nicht einfällt). Dann bekam ich eine Email von Anja Jäger, die mir in etwa schrieb „toll, gefällt mir sehr“. Nun stand aber leider im Betreff nicht, zu welchem Teil sie den Kommentar geschrieben hatte und ich fragte nach. So kamen wir in Kontakt. Es dauerte nicht lang und Anja Jäger, Künstlerin und Kreativcoach, fragte mich, ob sie ein Interview mit mir machen könnte. (Das vollständige Interview ist auf ihrer Seite hier zu lesen).




Da das mit dem Ruhm und dem Montmartre bisher noch nicht so geklappt hat (siehe hier ), halten sich die Interviewanfragen in Grenzen. Mein Letztes gab ich ungefähr 2003 oder 2004 einer lokalen Zeitung.
Ich freute mich über die Anfrage und sagte zu. Etwas später schickte mir Anja Jäger die Fragen zu und erläuterte, dass wir das Interview am besten telefonisch machen würden.
Ich bekam die Fragen und dachte erstmal... „Uffz! Was für ein Glück, dass ich darüber nochmal in Ruhe nachdenken kann.“ Die Fragen waren nicht schwierig, aber es waren für mich die Art Fragen, bei denen die Antwort bei mir nicht wirklich bewußt ist. Beispielsweise was Kreativität für mich bedeutet. Gefühlsmäßig ist mir das vollkommen klar, aber das jetzt auch noch in Worte zu fassen und dann so, dass der andere versteht was ich meine, stellt mich vor eine Herausforderung. So ging es mir mit diversen Fragen. Als dann der Termin kam, hatte ich mir zuvor schon einige Notizen gemacht, die ich aber am Ende gar nicht wirklich brauchte, denn das ganze Interview war kein Frage-Antwort Gespräch, so wie ich es mir vorgestellt hatte, sondern ein wirklich schönes Telefonat. Es dauerte fast eine Stunde und ich redete und redete.
Etwas später schickte mir Anja dann das Interview zu und ich war wirklich beeindruckt, wie sie die Essenz von dem, was ich mit gefühlten 20.000 Wörtern erzählt hatte, kurz und trefflich erfasst hatte.

Mich hat dieses Gespräch nachhaltig beschäftigt. Vor allem, als ich den Text las, den Anja Jäger geschrieben hatte. Ich las ihn und dachte „Toll!“ Im nächsten Moment wurde mir aber erst wirklich klar, dass es da ja um mich geht. In der Tat hatte ich ihn zuerst aus einer Art Vogelperspektive gelesen und langsam sickerte es in mich hinein, dass ich das war und ich empfand einen gewissen Stolz auf das, was ich bisher so gemacht habe.
Dieser Stolz ist für mich sehr wichtig, weil ich früher die Tendenz hatte, alles mögliche abzuwerten, klein zu machen, oder mit „Glück gehabt“ anzusehen. Ich lerne noch immer zu erkennen, was ich eigentlich kann und zusätzlich lerne ich täglich durch das, was ich mache und sehe dazu. Natürlich bin ich keine Schneidermeisterin, ich bin keine berühmte Malerin, Designerin oder Autorin. Ich werkel sehr gerne zu Hause vor mich hin und seit ich die Sachen auch im Internet präsentiere, wird mir bewusst, wie schön es ist, wenn ich Rückmeldungen bekomme. Das inspiriert und motiviert mich sehr. 

Ich habe viele Ideen und im Gegensatz zum letzten Jahr, wo es mir um diese Zeit nicht so gut ging, muss ich nicht alle auf einmal umsetzen. Ich werde geduldiger – auch mit mir selbst.

Der Bagpack z.B. den ich erst letzte Woche fertig bekam, reifte eine ganze Weile in meinem Kopf. Es gibt einige Stellen, wo ich glaube, dass sie besser sein könnten, aber es ist wie es ist.



Vor einer Weile las ich in einem Blog über die Schwierigkeit, einen eigenen Grundschnitt zu erstellen. Ich habe das auch schon gemacht und saß in meinem Arbeitszimmer mit Geodreieck, Stift, Papier, Maßband und – ganz wichtig – der Taschenrechnerfunktion meines Handys weil ich eine hundsmiserable Kopfrechnerin bin. Für jemanden, der das Schneiderhandwerk nie erlernt hat, ist es wirklich nicht ganz einfach. Aber genau das ist es ja, was den Beruf des Schneiders ausmacht. Er/Sie hat es erlernt. Ob Friseur, Schneider, Kindergärtner, Automechaniker und alle anderen Lehrberufe und Studiengänge, sie dauern nicht umsonst mehrere Jahre. Könnten wir innerhalb kürzester Zeit mal eben schnell ein Grundschnitt erstellen und nach unseren Bedürfnissen umwandeln, dann würden wir all diejenigen, die das Handwerk von der Pieke auf gelernt haben, herabsetzen.
Ich bin leidenschaftliche Autodidaktin, was nicht immer von Vorteil ist. Ob Malen, Nähen, Glas schneiden oder was auch immer ich an Projekten angehe – ich spüre immer wieder meine Grenzen und das ist gut so. So kann ich viele Dinge, aber nichts wirklich richtig gut, aber gut genug und immer besser.
Auf Youtube stieß ich einmal auf ein Video von einem Schneider. Das Video ging ca. 15 Minuten und zeigte, wie er ein Knopfloch von Hand nähte. Ich konnte nicht aufhören hinzuschauen. Es war so unglaublich faszinierend, mit welcher Perfektion er die Stiche machte. Das war Kunst. Meine Nähmaschine offeriert mir ca. 4 verschiedene Knopflöcher, aber keines davon wird jemals an eins heranreichen, das von Hand genäht wurde.



Dennoch bin ich stolz auf mich. Ich habe in den letzten Jahren beim Nähen und auch beim Malen sehr viel dazugelernt. Gleichzeitig habe ich bei meinem Stolz auf mich auch eine Demut und Bewunderung gegenüber denjenigen, die ihr Handwerk richtig erlernt haben und/oder bereits von Natur aus über wesentlich mehr Talent verfügen als ich.

Im Interview mit Anja Jäger betonte ich einige Male, dass man sich nicht ständig mit anderen vergleichen soll und auf mich trifft das unbedingt zu. Einschränkend muss ich aber dazu sagen, dass der Vergleich mit anderen auch sehr motivierend sein kann, wenn man sich dadurch nicht einschüchtern, sondern motiviert fühlt. Es geht darum, seine Grenzen zu erkennen und das was man kann, zu würdigen.

Gestern abend hatte ich nach langer Zeit wieder Kontakt zu einem sehr lieben Menschen, Mehrdad Zaeri, den ich einst über die Künstlerplattform Menschkunst kennenlernte. Er ist Künstler/Illustrator und ich erinnere mich, dass er sich vor vielen Jahren für ein Studium an einer Kunstschule in Hamburg bewarb und abgelehnt wurde. Dennoch ging er seinen Weg beständig weiter. Jedes Jahr freue ich mich auf einen seiner Kalender, die u.a. bei der Büchergilde Gutenberg erscheinen. Er ist für mich eine der wenigen Ausnahmen der Regel. Er ist ein wundervoller Künstler, der von einer Kunstschule abgelehnt wurde, sich aber dadurch nicht vom Zeichnen abhalten ließ und heute diverse Bücher und Zeitschriften illustriert und andere tolle Projekte macht.
 
Mein letztes Paar Spitzenschuhe

Während meiner Ballettausbildung – und ich komme langsam zum Ende - lernte ich etwas sehr Wichtiges. Das tägliche mindestens 6-stündige klassische Training im Ballettsaal war extrem fordernd. Wer aber einmal seine Ballettausbildung abgeschlossen, vielleicht im Ensemble getanzt hat, hat die Körperbeherrschung und Grundlagentechnik, um alles mögliche Tanzen zu können und es aussehen zu lassen, als wäre es das Leichteste auf der Welt. Durch meine Ausbildung erkenne ich heute bei Tänzern sehr schnell, ob sie eine abgeschlossene Ballettausbildung haben oder Ballett als Nebenfach hatten. Mit anderen Berufen ist es eben nicht anders.
In Barcelona war ich im Picasso Museum und ich sah dort die ersten Bilder, die Picasso als Jugendlicher gemalt hatte. Sie unterscheiden sich von seinen letzten Werken in jeglicher Hinsicht. Aber er hatte Malerei studiert und hatte zudem ein unglaubliches Talent. Er beherrschte die Technik. Doch dadurch, dass er das alles konnte, hatte er die uneingeschränkte Freiheit später seinen Stil zu entwickeln. So wie ein klassisch ausgebildeter Balletttänzer jeden Stil tanzen kann, den er will – Modern, Hip-Hop, Jazz... was auch immer.

Nach so vielen Worten will ich allen Interessierten sagen: Seid stolz auf das was ihr macht. Habt eine gewisse Demut vor denen, die es gut beherrschen und lernt davon.
Ausnahmen bestätigen immer die Regel. So ist mein Beitrag auch heute nicht amüsant, sondern eher ernst, aber auch das bin ich.
Wer dazu tendiert, sich durch andere und ihre Werke demotivieren zu lassen, lasst Euch sagen: Jeder hat Stärken und Schwächen. Dokumentiert werden meist nur die Stärken. Darum plädiere ich auch gern für das Imperfekte.
Ein wunderbares Beispiel dafür sind meine Fotos. Wenn ich durch die vielen Aufnahmen auf meiner Kamera blättere, schaffen es nur wenige davon, im Blog gezeigt zu werden. Die meisten werden gleich gelöscht. Hin und wieder sind sie aber so schlecht, dass sie schon wieder lustig sind und ich habe immer mehr Spaß daran, eben auch Outtakes zu zeigen, die natürlich auch einer strengen Zensur unterliegen.

Darum präsentiere ich jetzt zum Abschluß noch einige meiner Outtakes wider dem Perfektionismus.












Ich danke Anja Jäger ganz, ganz herzlich für die Gelegenheit, ein Interview geben zu dürfen. Schaut Euch auf ihrer Seite um. Sie ist ein sehr interessanter Mensch/Künstlerin mit vielen Interessen und einem unglaublichem Einfühlungsvermögen.

Bei Milliblus entschuldige ich mich dafür, dass ich meinen vorgesehen Blogpost über das Kleid auf nächste Woche verschiebe, aber ich glaube, dass ist nicht so schlimm, weil ich gerade gestern über sie schrieb und die Leidenschaft für die Stoffe hält an.

Ich wünsche allen einen schönen Donnerstag und rumse jetzt mal ein wenig, weil das hier so viel für mich ist, auch wenn die Fotos lediglich Outtakes sind.
Getreu dem Motto vom gestrigen Post: Was tut man nicht alles, um die Menschen in seiner Umgebung zu belustigen.


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